Digitalsysteme für die Modellbahn sind schon seit einer Reihe von Jahren in den unterschiedlichsten Ausführungen und Qualitäten auf dem Markt, aber wir konnten auf Grund eines klar umrissenen Anforderungskatalogs recht schnell eine Auswahl treffen. Wir entschieden uns für die "Modellbahnsteuerung per Computer - MpC" der Firma Gahler & Ringstmeier, die einen in der Modellbahndigitalisierung recht eigenständigen Weg beschreitet, nämlich die Digitalisierung der Gleise, nicht die der Fahrzeuge! Das bedeutet vor allem, der aufwendige - teilweise auch unmögliche - Einbau von Decodern in vorhandene Triebfahrzeuge entfällt, gleichzeitig sind alle Steuerungsmöglichkeiten wie z.B. individuelle Lokcharakteristika, automatischer Selbstblock, Fahrstraßenschaltungen inclusive Weichen- und Signalsteuerung, Pendelzug - Automatik, Bremsstrecken, einstellbare Routen für bestimmte Züge, Einbeziehung von Gleisbildstellwerken, reiner Handbetrieb bei Aufrechterhaltung de Fahrstraßenüberwachung usw. immer softwaremäßig in diese Steuerung integriert.
Nach einer ausführlichen persönlichen Beratung der Hersteller lag schließlich die detaillierte Steuerungsplanung und damit auch der Kostenvoranschlag auf dem Tisch. Von Anfang an überzeugte uns das Konzept von G&R, Hardware und Software aus einer Hand zu liefern, verbunden mit einem nahezu vorbildlichen Service bei auftretenden Installationsproblemen. Die Hardware - Vorraussetzung ist ein PC älterer Bauart (bei uns verrichtet ein ausgedienter 486er die Arbeit) - besteht aus standardisierten Steckkarten für 19-Zoll Rahmen sowie der Interfacekarte für den PC. Aus Kostengründen entschieden wir uns für die Bausatzvariante, d.h. die ca. 22 benötigten Steckkarten (z.B. für Blöcke, Hilfsblöcke, Weichen, Taster, LED) mussten gelötet werden. Mit Hilfe der auch für Laien sehr gut nachvollziehbaren technischen Anleitung und der vollständig beschrifteten Steckkarten war der Aufbau der Karten recht schnell geschafft; ein zum Lieferumfang gehörendes Prüfprogramm ermöglichte jederzeit die Selbstkontrolle der Arbeit.
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| Der obere Teil der MpC Steurung mit den Interface und Block Karten |
Der komplette Schaltschrank für die Anlage |
Die Anlage teilt sich heute in 21 Streckenblöcke und mehr als 30 Fahrstraßen, was einen nicht unerheblichen Verdrahtungsaufwand zur Folge hat. In diesem Zusammenhang haben wir allerdings auch die leidvolle Erfahrung machen müssen, dass eine „Umrüstung“ der Elektrik von konventionellem Betrieb auf Digitalsteuerund zwar machbar ist, aber doch einen sehr hohen Arbeitsaufwand incl. der dabei entstehenden Fehlerquellen bedeutet. So muss bei der MpC etwa ein Streckenblock elektrisch in drei Abschnitte (rechte Fahrschiene) geteilt werden (Fahrabschnitt, Bremsabschnitt, Halteabschnitt). Sinnvoller ist sicher, die notwendigen Trennstellen schon beim Neuaufbau zu berücksichtigen. Besonders hingewiesen sei auf eine nicht allzu großzügige Bemessung der Streckenblocklängen, denn weniger Blockabschnitte bedeuten zwangsläufig auch eine geringere Zugdichte im Betrieb.
Der größte Aufwand liegt jedoch nicht in den gerade beschriebenen Arbeiten, sondern in der anschließenden Programmierung der Steuerung. Hier sollten Interessenten durchaus je nach Anlagengröße mehrere Wochen einplanen (je nach zur Verfügung stehender Hobbyzeit), denn jetzt muss dem Programm mit Hilfe der am Monitor sichtbaren Eingabemasken z.B. jedes Detail des Gleisplanes (Streckenbeschreibung), jeder denkbare Fahrweg (Fahrstraßenbeschreibung) oder das gewünschte Fahrverhalten jedes Triebfahrzeuges über die Tastatur mitgeteilt werden. Zwar hilft ein Handbuch, aber gerade an diesem Punkt muss kritisch angemerkt werden, dass dieses Handbuch durch die Unzahl von Querverweisen ziemlich unübersichtlich ist Mit Hilfe der jederzeit erreichbaren Ansprechpartner bei G&R wurden aber alle Probleme gelöst, sodass nach ca. 2jähriger Bauzeit die Steuerung inzwischen technisch einwandfrei funktioniert. Die umfangreichen Ressourcen der MpC konnten selbst mit einer Modellbahnanlage
dieser Größenordnung bei weitem nicht erschöpft werden.
Fazit: Die MpC ist eine Digitalsteuerung aus einem Guss, die abgesehen von kleinen Schwächen alle unsere Erwartungen erfüllt hat und über die Standardanforderungen an eine Modellbahnsteuerung hinaus Problemlösungen für eine Vielzahl individueller Leistungsanforderungen bereithält. Auch „Elektroniklaien“ werden in die Lage versetzt, eine komplexe Steuerung aufzubauen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist als angemessen zu bezeichnen, vor allem, wenn man auch den sehr lobenswerten Kundenservice berücksichtigt. Die typischen Schwächen einer Spur-N-Anlage wie etwa eine nicht perfekte Gleislage oder Kontaktprobleme durch mangelhafte Stromabnahme kann aber auch die beste Digitalsteuerung nicht beseitigen.
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| Die Verkabelung an der Platinenrückseite |
Die Stromversorgung mit den Anschlußfeldern für die Anlage |